Die länge eines Buches. Warum ich mich nicht kürze, nur um zu passen

Roman länge. Wie viele Wörter hat ein buch?

Über Länge, Debütromane und Realität

Ich muss Autorinnen und Autoren wirklich bewundern, die sich ein klares Ziel setzen. Sagen wir 90 000 Wörter. Sie schreiben ihr Manuskript, erreichen diese Zahl, lehnen sich zurück und sagen zufrieden:
„Ziel erreicht. Buch fertig.“

Klingt einfach, oder?

Ich schreibe nun schon einige Jahre, aber mein Debüt ist das erste Projekt, das wirklich kurz davor steht, abgeschlossen zu werden. Und mein aktueller Zwischenstand liegt bei etwa 165 000 Wörtern. Dazu kommen noch sieben Kapitel, die noch überarbeitet werden müssen. Am Ende werden es wahrscheinlich mehr als 170 000 Wörter sein.

Und jedes Mal, wenn ich diese Zahl sehe, denke ich mir nur:
Wo bin ich da eigentlich hingewandert?

Das sind praktisch zwei Bücher in einem. Manchmal muss ich selbst darüber lachen. Und manchmal frage ich mich ehrlich, ob ich völlig übertrieben habe.

Die Realität eines langen Manuskripts

Wenn man anfängt zu schreiben, denkt man selten über Wortzahlen nach. Man folgt der Geschichte, den Figuren und den Konflikten. Irgendwann merkt man dann, dass das Manuskript immer weiter wächst.

Genau so ist es bei meinem Debüt passiert.

Die Welt wurde größer. Die Figuren komplexer. Konflikte entwickelten sich weiter, als ich ursprünglich erwartet hatte. Und plötzlich stand ich nicht mehr bei einem durchschnittlichen Romanumfang, sondern bei einem ziemlich dicken Manuskript.

Natürlich bleibt so etwas nicht ohne Reaktionen.

Lektorat: „Willst du das nicht kürzen?“

Ich habe bereits erste Rückmeldungen von Lektoren eingeholt. Und fast immer kam dieselbe Frage:

„Das ist schon ziemlich lang. Willst du das nicht kürzen?“

Und jedes Mal spüre ich, wie in mir kurz Panik aufsteigt. Der erste Gedanke ist dann fast reflexartig: Nein. Auf gar keinen Fall.

Denn wenn ich mir vorstelle, mein Manuskript würde in zwei Teile zerrissen, blutet mir ehrlich gesagt das Herz. Für mich fühlt sich diese Geschichte wie ein einziger großer Bogen an. Würde man ihn künstlich teilen, würde etwas verloren gehen.

Die Geschichte ist so lang, weil sie so sein musste. Weil sie Raum brauchte, um sich zu entfalten.

Die praktischen Probleme eines langen Buches

Natürlich verstehe ich die Einwände. Sie sind absolut berechtigt.

Ein Debüt mit über 170 000 Wörtern ist ein Risiko. Besonders für neue Autoren. Auch für einen Verlag wäre so ein Projekt nicht unbedingt attraktiv.

Es gibt mehrere praktische Gründe dafür.

Die Herstellungskosten steigen mit jeder Seite. Papier, Satz und Druck werden teurer. Der Verkaufspreis muss entsprechend höher angesetzt werden.

Auch die Buchdicke spielt eine Rolle. Manche Leser schrecken vor sehr dicken Büchern zurück. Als E-Book ist das weniger problematisch. Aber im Printformat wird so ein Manuskript schnell zu einem ziemlich schweren Band.

Dazu kommt das Lektorat. Je länger ein Text ist, desto umfangreicher und damit auch teurer wird die Bearbeitung. Das summiert sich schneller, als man denkt.

Gerade im Fantasybereich sind umfangreiche Bücher zwar keine Seltenheit. Trotzdem bleibt es für ein Debüt eine Herausforderung.

Wie viele Seiten sind eigentlich 70 000 oder 170 000 Wörter?

Wortzahlen wirken oft abstrakt. Deshalb hilft eine grobe Orientierung.

Die tatsächliche Seitenzahl hängt natürlich auch vom Buchformat, Schriftgröße und Layout ab.

Aber ungefähr kann man es so einordnen:

70 000 Wörter
etwa 250 bis 280 Buchseiten

90 000 Wörter
etwa 320 bis 360 Buchseiten

120 000 Wörter
etwa 420 bis 470 Buchseiten

170 000 Wörter
etwa 600 bis 680 Buchseiten

Das zeigt ganz gut, warum mein Debüt langsam in die Kategorie „dickes Buch“ rutscht.

Warum ich es nicht einfach in zwei Bücher teile

„Warum machst du nicht zwei Bände daraus?“

Diese Frage ist absolut nachvollziehbar. Und ich verstehe, warum sie gestellt wird.

Aber meine Geschichte lässt sich nicht einfach in zwei Teile schneiden. Sie funktioniert für mich als ein einziger zusammenhängender Spannungsbogen. Wenn man ihn mitten durchtrennt, verliert er seine Wirkung.

Vielleicht klingt das stur. Vielleicht ist es das auch ein bisschen.

Aber manche Geschichten haben eine innere Struktur, die man nicht einfach zerlegen kann.

Ich habe irgendwann akzeptiert, dass ich nicht vollständig bestimme, wie lang meine Geschichten werden. Meine Geschichten entscheiden das zu einem großen Teil selbst.

Und ehrlich gesagt mag ich das.

Wird das mein einziges dickes Buch bleiben?

Wenn ich ehrlich bin, wird mein Debüt vermutlich nicht das einzige umfangreiche Buch bleiben. Viele meiner anderen Projekte entwickeln sich ähnlich.

Die Welten wachsen, Figuren bekommen Tiefe, und irgendwann steht da wieder eine Geschichte, die mehr Raum verlangt, als ursprünglich geplant war.

Vielleicht ist das einfach meine Art zu erzählen.

Manche Autoren schreiben sehr kompakt. Andere lassen ihren Geschichten mehr Luft zum Atmen. Ich scheine eher zur zweiten Gruppe zu gehören.

Ob das später immer so bleiben wird, weiß ich nicht. Vielleicht lerne ich mit der Zeit, präziser zu erzählen. Vielleicht bleiben meine Geschichten aber auch einfach groß.

Im Moment fühlt sich beides möglich an.

Mein Schreibstil ist eher filmisch

Ich würde meinen Stil wahrscheinlich als eine Art cinematic writing beschreiben.

Mein größtes Ziel beim Schreiben ist, dass der Leser das Gefühl hat, mitten in der Geschichte zu stehen. Als wäre er selbst dort. Nicht nur als Beobachter, sondern fast wie ein unsichtbarer Statist, der alles miterlebt.

Man sieht die Orte. Man spürt die Atmosphäre. Man hört die Gespräche der Figuren.

Und manchmal braucht genau das einfach mehr Raum. Mehr Szenen. Mehr Details. Mehr Zeit, um eine Welt wirklich lebendig wirken zu lassen.

Vielleicht erklärt das auch, warum meine Geschichten gern etwas länger werden.

Lange Bücher in einer schnellen Welt

Wir leben in einer Zeit, in der vieles immer schneller wird. Social Media, kurze Inhalte, schnelle Unterhaltung. Aufmerksamkeitsspannen werden kürzer.

In diesem Umfeld wirkt ein dickes Buch fast ein wenig rebellisch.

Und genau das gefällt mir.

Ein großes Buch lädt dazu ein, langsamer zu werden. In eine Welt einzutauchen. Figuren über viele Seiten hinweg zu begleiten. Eine Geschichte wirklich zu erleben, statt sie nur schnell zu konsumieren.

Natürlich funktioniert das nicht für jeden Leser. Aber für diejenigen, die genau das suchen, sind solche Bücher oft etwas Besonderes.

Fazit

Schreib die Geschichte, die geschrieben werden will.

Wenn deine Geschichte 50 000 Wörter braucht, dann ist das perfekt. Wenn sie 200 000 verlangt, dann ist das eben so.

Ich lasse mich nicht von Zahlen, Normseiten oder festen Formeln leiten. Eine Geschichte ist für mich kein Bauplan. Sie ist eher wie ein lebendiger Organismus. Und manchmal wächst dieser Organismus einfach größer, als man ursprünglich geplant hatte.

Ich weiß, mein Buch ist lang.

Aber jedes Wort gehört dorthin. Und im Moment fühlt sich genau das richtig an.

Wenn dich Themen rund ums Schreiben, den Aufbau einer Autorenkarriere und die Realität hinter einem Buchprojekt interessieren, begleite mich gern auch im Newsletter.

Dort teile ich Gedanken, Erfahrungen und Einblicke, die nicht immer ihren Weg auf den Blog finden. Ohne festen Rhythmus und ohne Druck. Einfach dann, wenn es etwas zu erzählen gibt.

Vielleicht ist genau das der richtige Ort für dich.

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