Inspiration für Geschichten finden # gedankenexperiment

Teil 10: Aus welchen Bausteinen besteht eine Geschichte?

Willkommen zum zehnten Blogbeitrag der Reihe

Inspiration für Geschichten finden.

Grundlegende Bausteine Einer Geschichte

Hast du dich schon einmal gefragt, warum manche Ideen sofort nach einer Geschichte klingen, während andere einfach nicht zünden wollen?

Vielleicht liegt es daran, dass einer der grundlegenden Bausteine fehlt.

Doch aus welchen Bausteinen besteht eine Geschichte überhaupt?

Die meisten Schreibratgeber sind sich zumindest bei drei Bausteinen einig: Ein Charakter, eine Herausforderung und ein Setting bilden das Fundament einer Geschichte.

Je nach Autor oder Schreibratgeber werden diese Grundbausteine häufig um weitere Elemente ergänzt.

Dazu zählen oft:

  • Konflikt
  • Thema
  • Perspektive
  • Thema
  • sogar Stil oder die Stimme werden oft dazu gezählt.

Mit dieser Erweiterung kann ich mich jedoch nur teilweise anfreunden.

Vielleicht kannst du meine Gedanken nachvollziehen.

Ein Charakter, der die Geschichte erlebt, ist unverzichtbar.

Ebenso wichtig ist das Setting, denn es erschafft die Welt, in der sich die Handlung entfaltet.

Ab diesem Punkt weicht meine Sichtweise jedoch von vielen klassischen Modellen ab.

Den Konflikt sehe ich nicht als eigenständigen Baustein. Für mich entsteht er automatisch aus der Herausforderung, vor der der Charakter steht. Nimmst du die Herausforderung weg, verschwindet meist auch der Konflikt. Deshalb gehört für mich nicht der Konflikt zum Fundament einer Geschichte, sondern das Problem, das ihn überhaupt erst entstehen lässt.

Auch Perspektive sowie Stil oder Stimme gehören für mich nicht zu den Bausteinen einer Geschichte. Sie bestimmen zwar, wie eine Geschichte erzählt wird, verändern aber nicht die Geschichte selbst. Ein Roman bleibt dieselbe Geschichte, unabhängig davon, ob er in der Ich Perspektive oder in der dritten Person geschrieben ist. Dasselbe gilt für den Schreibstil. Er macht einen Autor unverwechselbar, gehört aber zur Erzählweise und nicht zum Fundament einer Geschichte.

Auch das Thema würde ich nicht als Baustein betrachten. Es entwickelt sich häufig erst im Laufe der Handlung oder ergibt sich aus den Entscheidungen der Figuren. Themen wie Freundschaft, Verlust oder Selbstfindung sind wichtig, doch sie tragen eine Geschichte nicht allein.

Schließlich habe ich für mich ein Modell gefunden, das für mich das Fundament einer Geschichte bildet.

Meine 5 Bausteine

  • ein Charakter
  • ein Setting
  • eine Herausforderung
  • ein Twist
  • die Tropes

Diese fünf Bausteine reichen für mich aus, um eine dynamische Geschichte entstehen zu lassen. Alles Weitere ergibt sich aus ihrem Zusammenspiel.

Natürlich ist das kein allgemeingültiges Modell. Es ist vielmehr die Herangehensweise, die für mich am logischsten ist.

Doch warum ausgerechnet diese fünf Bausteine?

Für mich beantworten diese fünf Elemente die wichtigsten Fragen, die sich am Anfang jeder Geschichte stellen.

Wer erlebt die Geschichte?
Dafür braucht es ganz klar einen Charakter.

Wo findet die Geschichte statt?
Dafür braucht es unbedingt ein Setting.

Was bringt die Geschichte ins Rollen?
Dafür braucht es eine Herausforderung.

Was macht die Geschichte besonders und sorgt dafür, dass sie im Gedächtnis bleibt?
Dafür braucht es einen unvorhersehbaren unverwechselbaren Twist.

Welche Art von Geschichte erwartet der Leser?
Dafür sorgen natürlich die Tropes.

Diese fünf Bausteine bilden für mich das Grundgerüst einer Geschichte.

Alles Weitere entwickelt sich aus ihrem Zusammenspiel.

Der Konflikt entsteht aus der Herausforderung, das Thema entsteht aus den Entscheidungen der Figuren und die Erzählweise bestimmt, wie diese Geschichte vermittelt wird.

Meine 5 Bausteine einer Geschichte – genauer betrachtet

1. Der Charakter: Wer erlebt die Geschichte?

Der Charakter ist das Herzstück jeder Geschichte. Ohne eine Figur vor einer Entscheidung steht, gibt es keine Geschichte.

Dabei geht es nicht nur um Eigenschaften wie Aussehen, Alter oder Hintergrund. Entscheidend sind:

  • Was will der Charakter?
  • Was hält ihn davon ab?
  • Welche Angst trägt er in sich?
  • Was muss er lernen?
  • Wie verändert er sich im Laufe der Geschichte?

Eine gute Geschichte entsteht nicht nur dadurch, dass etwas passiert. Sie entsteht dadurch, dass etwas mit einer Figur passiert.

2. Das Setting: Wo findet die Geschichte statt?

Das Setting ist mehr als nur ein Ort. Es ist die Welt, in der deine Geschichte lebt.

Besonders im Fantasybereich beeinflusst das Setting oft jede Entscheidung deiner Figuren.

Dazu gehören:

  • Die Welt und ihre Regeln
  • Gesellschaft und Kultur
  • Geschichte der Welt
  • Magie oder besondere Systeme
  • Atmosphäre

Ein gutes Setting ist nicht nur eine Kulisse im Hintergrund. Es beeinflusst die Handlung und kann selbst Teil der Geschichte werden.

3. Die Herausforderung: Was bringt die Geschichte ins Rollen?

Eine Geschichte beginnt, wenn ein Charakter mit einer Herausforderung konfrontiert wird.

Diese Herausforderung kann ganz unterschiedlich aussehen:

  • Eine Aufgabe, die erfüllt werden soll
  • Ein Geheimnis, das gelöst werden will
  • Ein Gegner, der besiegt werden muss
  • Eine Entscheidung, die im Raum steht
  • Ein innerer Konflikt, den es zu überwinden gilt

Aus dieser Herausforderung entsteht die Handlung. Der Charakter trifft Entscheidungen, stößt auf Hindernisse und muss sich verändern.

4. Der Twist: Was macht die Geschichte besonders?

Ein Twist ist der Moment, der die Sicht des Lesers verändert.

Er kann:

  • eine Wahrheit enthüllen
  • eine Figur in einem neuen Licht zeigen
  • eine unerwartete Verbindung aufdecken
  • eine bisherige Annahme völlig auf den Kopf stellen

Nicht jede Geschichte lebt von einem großen Twist.

Manche Geschichten kommen sogar ganz ohne überraschende Wendung aus. Trotzdem gehört der Twist für mich zu den wichtigsten Bausteinen, weil genau diese Momente oft lange im Gedächtnis bleiben.

5. Die Tropes: Was erwartet der Leser?

Welche Elemente wecken beim Leser bestimmte Erwartungen?

Besonders im Fantasy- und Romancebereich spielen Tropes eine große Rolle.

Beispiele:

  • Found Family
  • Enemies to Lovers
  • Chosen One
  • Forbidden Love
  • Secret Identity

Tropes verraten nicht den Ausgang einer Geschichte. Sie geben lediglich eine emotionale Richtung vor und helfen dem Leser einzuordnen, welches Lesegefühl ihn erwartet.

Wie können diese Bausteine helfen, eine Idee für eine neue Geschichte entstehen zu lassen?

Lass uns ein kleines Gedankenexperiment durchführen.

Jetzt wird es spannend.

Stell dir vor, wir ziehen aus jeder Kategorie einfach einen zufälligen Baustein.

Zum Beispiel:

Charakter: Ein Magier

Setting: Eine alternative Erde, auf der Magie zum Alltag gehört

Trope: Slow Burn

Herausforderung: Ein Fluch tötet ihn langsam

Twist: Er ist nicht der Einzige, der verflucht wurde

Und plötzlich entstehen Fragen.

Wer hat ihn verflucht?

Warum wurde er verflucht?

Kann der Fluch gebrochen werden?

Was verbindet die Verfluchten miteinander?

Noch bevor du die erste Szene geschrieben hast, beginnt dein Kopf bereits, die Geschichte weiterzuspinnen.

Mehr Tiefe durch kleine Details

Sind die Grundbausteine gefunden, kannst du deine Geschichte Schritt für Schritt erweitern.

Vielleicht gibt es ein Symbol, das immer wieder auftaucht.

Ein zerbrochener Spiegel, eine geheimnisvolle Rune oder ein brennendes Hirschgeweih, das auf etwas Größeres hindeutet.

Vielleicht besitzt dein Charakter eine besondere Eigenart, die die Geschichte beeinflusst.

Ist er misstrauisch, rechthaberisch oder kommt er ständig zu spät? Hat er eine Angewohnheit, die andere Figuren an ihm lieben oder die immer wieder Probleme verursacht?

Dabei muss diese Eigenschaft nicht für immer bestehen bleiben. Gerade die Veränderung eines Charakters kann ein wichtiger Teil der Geschichte sein.

Auch ungewöhnliche Regeln deiner Welt können neue Ideen entstehen lassen.

Vielleicht gelten nachts andere Gesetze. Vielleicht ist Magie verboten, obwohl sie eigentlich zum Alltag gehört. Vielleicht gibt es eine Regel, die niemand hinterfragt, bis dein Charakter herausfindet, warum sie existiert.

Oder du baust einen Running Gag ein, der deine Geschichte auflockert.

Vielleicht rennt dein Charakter ständig gegen Türen. Vielleicht verliert er die wichtigsten Dinge und findet den Schlüssel für die Geheimkammer an den unmöglichsten Orten wieder.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, deiner Geschichte mehr Tiefe zu verleihen.

Vielleicht besitzt deine Welt eine wiederkehrende Farbe, ein bestimmtes Tier oder ein Lied, das immer dann auftaucht, wenn etwas Wichtiges geschieht. Solche wiederkehrenden Elemente verbinden Szenen miteinander und verleihen einer Geschichte zusätzliche Tiefe.

Die fünf Bausteine sind deshalb kein fertiges Gerüst, die vorschreibt, wie deine Geschichte aussehen muss.

Sie sind der Anfangspunkt, von dem aus sich neue Ideen entwickeln können.

Warum ich dieses Gedankenexperiment mag?

Ich mag dieses Experiment, weil es unzählige Kombinationen ermöglicht.

Es zwingt dich nicht in eine bestimmte Struktur und schreibt dir auch nicht vor, wie deine Geschichte aussehen muss.

Es verbindet lediglich verschiedene Ideen miteinander und lässt manchmal genau die Fragen entstehen, auf die du selbst vorher nicht gekommen wärst.

Zum Mitnehmen

Manchmal findet dich die Inspiration im Schlaf. Manchmal braucht sie nur einen kleinen Anstoß.

Genau dafür ist dieses kleine Gedankenexperiment gedacht. Es soll dir keine fertige Geschichte liefern, sondern deinen Gedanken einen kleinen Schubs geben. Vielleicht entsteht daraus nur eine Frage. Vielleicht aber auch eine ganze Welt.

Ich wünsche dir viel Freude beim Experimentieren.

PS: Zu diesem Artikel gibt es auch mein Schnipselspiel(Noch in arbeit). Darin findest du alle Bausteine, die ich hier vorgestellt habe. Ziehe zufällige Kombinationen, spiele mit ihnen und lass dich überraschen, welche Geschichte auf dich wartet.

Oft fehlt nicht die Kreativität. Es fehlt nur der erste Funke, aus dem sich nach und nach eine ganze Geschichte entwickeln kann.

In meinem Newsletter teile ich weitere Gedanken rund ums Schreiben, Einblicke in meine eigene Arbeit als Autorin und Übungen, die dir helfen können, neue Geschichten zu entwickeln.

Wenn du deine Ideen weiter wachsen lassen möchtest, begleite mich gerne auf meiner Reise.

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