Zu viele Schreibtipps, die das Schreiben unnötig kompliziert machen

Wenn Schreiben plötzlich zur Wissenschaft wird – Warum zu viele Schreibtipps verunsichern können

Als ich angefangen habe, mich mit dem Schreiben zu beschäftigen, bin ich schnell auf unzählige Ratgeber, Kurse und Methoden gestoßen.

Alle versprachen im Grunde das Gleiche.

Mit der richtigen Struktur würde ich das perfekte Buch schreiben.

Lernen, wie man plottet.
Wie Szenen aufgebaut werden.
Wie Spannung entsteht, Dialoge funktionieren und Figuren entwickelt werden.

Und irgendwann stand ich da mit einem Kopf voller Regeln, Listen und Verbote und merkte plötzlich:

Das eigentliche Schreiben war irgendwie auf der Strecke geblieben.

Zu viele Stimmen, zu wenig Gefühl

Am Anfang wollte ich alles richtig machen. Also habe ich Schreibtipps gelesen, Checklisten ausprobiert und versucht, nach möglichst vielen Regeln zu arbeiten.

Doch irgendwann fühlte es sich nicht mehr nach Kreativität an.

Es fühlte sich eher an wie Prüfungsvorbereitung. Gruselig.

Und je mehr Schreibtipps ich las, desto unsicherer wurde ich.

Es gibt Regeln für Dialoge, auf Satzlängen soll geachtet werden, Strukturmodelle für Szenen und ganze Checklisten für Figuren.

Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich mehr darüber nachdenke, ob eine Szene allen Tipps entspricht, als darüber, ob sie sich für meine Geschichte richtig anfühlt.

Jeder hat seine eigene Methode und jeder behauptet, sie sei die beste. So wird es gemacht

Und irgendwann sitzt man zwischen all diesen Stimmen und verliert das Vertrauen in die eigene Intuition.

Was für mich wirklich wichtig geworden ist

Irgendwann wurde mir alles zu viel.

Dann bin ich einen Schritt zurückgetreten.

Ich hatte so viel gelesen und recherchiert, dass ich merkte, wie sehr mich all diese Informationen überfordert hatten.

Also habe ich angefangen, nur noch das mitzunehmen, was sich für mich wirklich richtig anfühlte.

Ich habe mich wieder auf einfache Fragen konzentriert.

Was will mein Protagonist.

Wie kommt er dorthin.

Welche Hindernisse stehen ihm im Weg.

Und wie verändert ihn dieser Weg.

Dann begann ich wieder zu experimentieren.

Mit Dialogmarkern oder ohne.
Mit längeren oder kürzeren Sätzen.
Mit verschiedenen Arten, Szenen aufzubauen.

Ich habe mir immer öfter vorgestellt, neben meinem Protagonisten zu stehen.

Was sehe ich gerade.
Was fühlt mein Charakter.

Und so hat sich Stück für Stück meine eigene Methode entwickelt, an Geschichten heranzugehen.

Regeln kennen, um sie zu brechen

Das bedeutet nicht, dass Schreibtipps grundsätzlich nutzlos sind.

Im Gegenteil. Gerade am Anfang können sie Orientierung geben. Sie helfen dabei, bestimmte Dinge überhaupt erst zu verstehen.

Aber ich habe für mich gelernt, dass sie Werkzeuge bleiben sollten und keine Ketten werden dürfen.

Je länger ich schreibe, desto besser spüre ich, wann eine Regel hilfreich ist und wann sie meiner Geschichte eher im Weg steht.

Denn am Ende schreibe ich keine Geschichte für Schreibtipps oder Plotmodelle.

Ich schreibe für Menschen, die beim Lesen etwas fühlen sollen.

Mein Gefühl ist mein Kompass

Manchmal hilft es mir, all die Ratgeber beiseite zu legen und mich zu fragen:

Fühlt sich diese Szene richtig an.

Wenn ich merke, dass eine Szene Leben hat, dass sie etwas in mir auslöst, dann weiß ich meistens, dass sie funktioniert.

Ganz egal, was irgendein Schreibratgeber dazu sagen würde.

Für mich ist Schreiben kein mathematisches System.

Es ist ein lebendiger Prozess.

Natürlich gehört Handwerk dazu. Aber genauso wichtig ist Intuition.

Und je mehr ich gelernt habe, auf mein eigenes Gefühl zu hören, desto freier wurde mein Schreiben.

Zum Mitnehmen

Schreibtipps können hilfreich sein, solange sie dir dienen.

Aber wenn du merkst, dass sie dich eher hemmen als unterstützen, dann ist es vielleicht Zeit, einen Schritt zurückzugehen.

Denn keine Regel kennt deine Geschichte so gut wie du.

Nur du weißt, was sich für deine Figuren und deine Geschichte richtig anfühlt.

Also probiere aus.

Und vergiss nie: Schreiben ist mehr als Technik.

Es ist ein Stück von dir selbst.

Wenn dich Gedanken über das Schreiben interessieren, begleite mich gern auf diesem Weg.

In meinem Newsletter teile ich neue Blogartikel, Einblicke in meinen Schreibprozess und Gedanken über den Weg zur eigenen Geschichte.

Manchmal geht es um Zweifel beim Schreiben, manchmal um kleine Erkenntnisse auf dem Weg zum Buch und manchmal einfach um die Freude am Erzählen.

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