Schreibblockade: Wenn die Worte plötzlich nicht mehr wollen
Hattest du schon einmal eine Schreibblockade?
Nein?
Du Glücklicher.
Falls doch, lass uns mal darüber reden.
Es gibt Zeiten, da schaffe ich gefühlt unglaublich viel. Ich könnte Bäume ausreißen. Eine Idee führt zur nächsten, Szenen entstehen beinahe von selbst und am liebsten möchte ich an fünf verschiedenen Manuskripten gleichzeitig arbeiten.
Und irgendwann kommt er.
Dieser ernüchternde Moment, in dem plötzlich die Luft raus ist.
Die Schreibblockade
Nicht, weil mich meine Geschichte nicht mehr interessiert.
Ganz im Gegenteil.
Ich selbst bin meistens ziemlich frustriert, wenn es passiert.
Die Geschichte ist noch da. Ich möchte weiterschreiben. Ich weiß manchmal sogar ganz genau, was als Nächstes passieren soll.
Aber es geht einfach nicht.
Gibt es Schreibblockaden überhaupt?
Es gibt Autoren, die behaupten, Schreibblockaden gäbe es nicht.
Alles eine Frage der Einstellung. Der Disziplin. Der Persönlichkeit.
Und jedes Mal denke ich mir:
Wer hat gesagt, dass es keine Schreibblockaden gibt?
Wumm.
K. o.
Natürlich ist das nicht ganz so einfach.
Denn vermutlich verstehen wir nicht einmal alle dasselbe unter einer Schreibblockade.
Manchmal weiß man nicht, wie eine Geschichte weitergehen soll.
Manchmal zweifelt man an allem, was man geschrieben hat.
Manchmal fehlen einem die Ideen.
Und manchmal kennt man die nächste Szene bereits bis ins kleinste Detail und bekommt sie trotzdem nicht aufs Papier.
Gerade Letzteres kenne ich ziemlich gut.
Wenn die Szene im Kopf da ist, aber die Worte fehlen
Ich hatte schon Phasen, in denen ich genau wusste, was in der nächsten Szene passieren sollte.
Ich konnte sie vor mir sehen.
Ich wusste, was meine Figuren tun würden. Wo sie standen. Wie die Situation enden sollte.
Eigentlich hätte ich nur noch schreiben müssen.
Und trotzdem saß ich vor meiner Tastatur und hätte meinen Kopf am liebsten gegen den Bildschirm geschlagen, weil ich einfach nicht die richtigen Worte für die Bilder in meinem Kopf fand.
Es fühlt sich dann beinahe wie eine innere Sperre an.
Ich könnte schreiben. Ich möchte schreiben. Ich weiß sogar, was ich schreiben möchte. Und trotzdem geht es nicht.
Für mich ist auch das eine Form von Schreibblockade.
Mein kreativer Stausee
Irgendwann habe ich angefangen, meine kreative Arbeit mit einem Stausee zu vergleichen.
Eigentlich sogar mit mehreren.
Jede meiner Geschichten besitzt ihren eigenen.
Wenn ich intensiv an einer Geschichte arbeite, öffne ich gewissermaßen die Schleusen. Ideen, Motivation und kreative Energie fließen heraus.
Manchmal unglaublich schnell.
Irgendwann ist dieser Stausee aber ziemlich leer.
Dann kann ich vor dem Bildschirm sitzen und versuchen, noch den letzten Tropfen herauszuquetschen.
Oder ich schließe die Schleusen.
Denn nur weil der Stausee gerade leer ist, bedeutet das nicht, dass er für immer leer bleibt.
Er braucht Zeit, um sich wieder zu füllen.
Mit neuen Ideen.
Motivation.
Bildern.
Szenen.
Und vor allem mit neuer kreativer Energie.
Das Schöne daran ist:
Ich habe nicht nur einen Stausee.
Auf meinem Rechner liegen noch viele Geschichten, die darauf warten, erzählt zu werden. Manche brauchen noch Planung, andere Figuren, wieder andere nur ein bisschen Aufmerksamkeit.
Wenn bei einer Geschichte gerade nichts mehr geht, kann bei einer anderen noch unglaublich viel Wasser im Becken sein.
Also arbeite ich dort weiter.
Manchmal ist gar nicht die Geschichte das Problem
Und dann gibt es noch etwas, das beim Thema Schreibblockade meiner Meinung nach gerne vergessen wird:
das Leben.
Manchmal wird man davon einfach erschlagen.
Vielleicht fordert einen die Arbeit gerade besonders.
Vielleicht gibt es eine schwierige Situation in der Familie.
Vielleicht jagt ein Termin den nächsten.
Und natürlich kommt am besten alles gleichzeitig.
Dann sitzt man irgendwann da, hätte theoretisch Zeit zum Schreiben und stellt trotzdem fest:
Ich kann gerade nicht mehr.
Es gibt sicherlich Menschen, die unglaublich gut darin sind, all das voneinander zu trennen.
Ich gehöre nicht dazu.
Ich brauche immer wieder Zeit für mich und meine Gedanken.
Schreiben ist nicht mein einziger Job
Ich arbeite nebenbei.
Nicht ganz in Vollzeit, aber knapp darunter.
Gleichzeitig nutze ich einen großen Teil meiner Freizeit dafür, diesen Blog aufzubauen, an meinen Manuskripten zu arbeiten, PDFs zu entwickeln und Schritt für Schritt meine Autorenmarke aufzubauen.
Wenn man es so betrachtet, arbeite ich im Grunde an zwei Jobs gleichzeitig.
Und das ist anstrengend.
Ich bin noch keine Vollzeitautorin und habe nicht das Privileg, meinen gesamten Alltag nach meinem Autorenweg auszurichten.
Manchmal ist nach der Arbeit noch unglaublich viel Energie da.
Manchmal eben nicht.
Lange habe ich gedacht, ich müsste an diesen Tagen trotzdem etwas aus mir herauspressen.
Inzwischen sehe ich das anders.
Wenn Schreiben zum Zwang wird
Mir ist es schon passiert, dass ich vor dem Bildschirm saß, Zeit hatte und trotzdem keine Kraft zum Schreiben fand.
Natürlich könnte man jetzt sagen:
Dann zwing dich eben dazu.
Und vielleicht funktioniert das für manche.
Für mich funktioniert es allerdings nicht.
Denn wenn Schreiben dauerhaft zum Zwang wird, würde irgendwann genau das darunter leiden, weshalb ich überhaupt angefangen habe:
die Freude daran.
Manchmal braucht man einen freien Abend.
Manchmal muss man die Füße hochlegen.
Manchmal möchte der Kopf einfach nichts erschaffen.
Und manchmal braucht man Zeit für sich.
Das bedeutet nicht automatisch, dass man undiszipliniert ist.
Vielleicht bedeutet es einfach, dass man seine eigene Arbeitsweise kennenlernen muss.
Ich arbeite in Wellen
Inzwischen weiß ich, dass meine Kreativität nicht jeden Tag gleich funktioniert.
Ich arbeite in Wellen.
Manchmal läuft es unglaublich gut.
Manchmal läuft es langsamer.
Und manchmal läuft überhaupt nichts.
Statt ständig dagegen anzukämpfen, versuche ich inzwischen, damit zu arbeiten.
Denn eine Flaute bedeutet nicht automatisch, dass meine Geschichte nicht funktioniert.
Vielleicht ist der Stausee einfach gerade leer.
Was mir bei kleinen Schreibblockaden hilft
Nicht jede Blockade bedeutet, dass ich ein Manuskript für mehrere Wochen weglegen muss.
Manchmal brauche ich nur einen kleinen Schubs.
Musik hilft mir dabei unglaublich oft.
Ein Spaziergang kann den Kopf wieder freimachen.
Manchmal tauche ich auch einfach in meine Geschichte ein, ohne den Anspruch, anschließend etwas schreiben zu müssen.
Ich lasse Szenen vor meinem inneren Auge ablaufen, spiele mit ihnen und schaue, wohin sie mich führen.
Auch Plotten hat mir schon oft geholfen.
Wenn ich beim eigentlichen Schreiben feststecke, gehe ich einen Schritt zurück und halte noch einmal in Stichpunkten fest:
Was soll hier eigentlich passieren?
Plötzlich muss ich keine schönen Sätze finden.
Ich muss nur meine Gedanken ordnen.
Und manchmal öffnet genau das die Tür wieder.
Und wenn der Berg größer ist?
Dann darf das Manuskript auch einmal liegen bleiben.
Ein paar Tage Abstand können unglaublich viel verändern.
Ich finde es selbst immer wieder erstaunlich: Manchmal sitze ich vor einer Szene und komme einfach nicht weiter. Irgendwann gebe ich auf, lasse sie liegen und beschäftige mich mit etwas anderem.
Ein paar Tage später setze ich mich wieder daran.
Und plötzlich funktioniert es.
Die Szene, an der ich vorher beinahe verzweifelt bin, lässt sich auf einmal weiterschreiben.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Unterbewusstsein in der Zwischenzeit einfach weitergearbeitet hat. Während ich längst mit etwas anderem beschäftigt war, hat es im Hintergrund sortiert, ausprobiert und nach einer Lösung gesucht.
Zumindest fühlt es sich für mich so an.
Und weil mir das schon öfter passiert ist, habe ich gelernt, einer Geschichte manchmal genau diesen Abstand zu geben.
Nicht jede Schreibblockade muss sofort gelöst werden. Manchmal löst sie sich, während wir gerade etwas ganz anderes tun.
Vielleicht arbeite ich währenddessen an einem anderen Projekt. Vielleicht plane ich eine neue Geschichte, schreibe einen Blogartikel oder lasse mir ein Lied oder kleines Gedicht für meine Geschichte einfallen.
Oder ich mache einfach gar nichts Kreatives.
Auch ein Gespräch kann helfen. Allein kämpft man manchmal ziemlich lange gegen dasselbe Problem. Eine zweite Person sieht vielleicht etwas, das man selbst längst nicht mehr erkennt.
Manche Autoren machen sogar bewusst Pause
Ich habe auch schon von Autoren gehört, die sich zwischen zwei Projekten ganz bewusst eine schreibfreie Zeit nehmen.
Nicht, weil sie keine Ideen mehr haben.
Sondern weil sie Abstand wollen.
Der Kopf darf sich mit anderen Dingen beschäftigen. Die kreative Energie kann zurückkommen. Und irgendwann kehrt man mit einem anderen Blick an den Schreibtisch zurück.
Eigentlich gefällt mir dieser Gedanke sehr.
Denn warum sollte Kreativität permanent auf Knopfdruck funktionieren müssen?
Vom Zweitjob zum Hauptjob
Natürlich ist es mein Ziel, irgendwann von meiner kreativen Arbeit leben zu können.
Dass meine Bücher und mein Blog stark genug werden, um mich zu tragen. Dass das Schreiben nicht mehr etwas ist, für das ich mir neben meinem Beruf Zeit freihalte, sondern tatsächlich mein Beruf wird.
Ob mich Schreibblockaden dann immer noch heimsuchen werden?
Vermutlich.
Wie es sich anfühlen wird, wenn ich dieses Ziel tatsächlich erreicht habe und plötzlich ein ganz anderer Druck hinter dem Schreiben steht, kann ich heute noch nicht sagen.
Ich weiß nur, dass sich mein Umgang mit Schreibblockaden bereits verändert hat.
Früher haben sie mich verunsichert. Ich hatte das Gefühl, etwas würde nicht stimmen, wenn die Worte plötzlich nicht mehr kamen.
Heute lasse ich mich davon nicht mehr so leicht einschüchtern.
Ich bekämpfe meine Schreibblockade nicht mehr. Ich nehme sie an die Hand.
Vielleicht zeigt sie mir, dass ich eine Pause brauche. Vielleicht, dass ich bei einem anderen Projekt weitermachen sollte. Vielleicht muss ich meine Gedanken erst neu sortieren, bevor ich wieder schreiben kann.
Und vielleicht werde ich irgendwann, wenn aus meinem Zweitjob mein Hauptjob geworden ist, noch einmal ganz neu lernen müssen, mit diesen Phasen umzugehen.
Aber das gehört dann vermutlich genauso zu meinem Autorenweg wie alles andere.
Zum Mitnehmen
Ich glaube, das Wichtigste ist nicht, nie wieder eine Schreibblockade zu haben.
Sondern zu lernen, wie man mit ihr umgeht.
Wenn eine Tür gerade verschlossen ist, ist vielleicht eine andere offen. Und wenn gerade gar keine aufgeht, darf man sich auch einmal die Zeit nehmen, die man braucht.
Mein Ziel ist nicht, jeden Tag ein Kapitel zu beenden.
Mein Ziel ist, meinem Traum jeden Tag ein Stück näher zu kommen.
Und manchmal bedeutet dieser Schritt eben nicht, tausend Wörter zu schreiben.
Und du?
Legt dich eine Schreibblockade manchmal auch lahm?
In meinem Newsletter nehme ich dich mit hinter die Kulissen meines eigenen Autorenwegs. Ich teile neue Blogbeiträge, Gedanken rund ums Schreiben und all die kleinen Schritte, aus denen irgendwann etwas Größeres entsteht.
Wenn du deinen eigenen Weg ebenfalls nicht immer geradlinig gehst, sondern manchmal in Wellen, dann komm gerne mit.


