Spice in Büchern

Spice in Büchern – Wie viel ist zu viel und was eine Geschichte wirklich trägt

In manchen Buchgenres fällt oft gehäuft etwas auf.

Es gibt Geschichten, in denen sich eine Spice Szene an die nächste reiht.
Und irgendwann hat man beim Lesen das Gefühl, dass der eigentliche Plot immer mehr in den Hintergrund rückt.

Als würde die Geschichte nur noch darum gebaut sein, den Spice zu bedienen.

Genau das finde ich oft schade.
Nicht, weil solche Szenen grundsätzlich falsch wären. Sondern weil ich oft das Gefühl habe, dass die Geschichte selbst viel mehr könnte.

Und genau an diesem Punkt geht für mich häufig das Interesse verloren.

Beobachtungen

Am Anfang dachte ich, das sei einfach die Richtung, in die sich die Buchwelt gerade entwickelt.

Wenn es gefragt ist, wird es eben geschrieben.

Gerade in bestimmten Genres wie Dark Romance erwartet man solche Szenen. Und das ist auch völlig in Ordnung.

Doch je mehr ich gelesen und mich mit anderen Stimmen beschäftigt habe, desto mehr ist mir etwas aufgefallen.

Ich habe immer häufiger den Eindruck bekommen, dass ich mit diesem Gefühl nicht allein bin.

In Kommentaren, Rezensionen und Gesprächen taucht immer wieder ein ähnlicher Gedanke auf.

Der Wunsch nach Geschichten, die mehr tragen.

Mehr Entwicklung.
Mehr Spannung.
Mehr emotionale Tiefe.
Und weniger Wiederholung.

Es wirkt fast so, als würde sich langsam eine kleine Gegenbewegung bilden.

Nicht gegen Spice an sich.
Sondern für einen bewussteren Umgang damit.

Für Geschichten, in denen der Fokus wieder stärker auf der Handlung liegt.
Auf den Figuren.
Und auf dem, was zwischen ihnen entsteht.

Und genau das finde ich spannend. Denn es zeigt, dass sich gerade etwas verändert.

Es zeigt, dass viele Leser nicht nur einen Moment suchen.
Sondern eine Geschichte, die berührt.

Wenn sich alles wiederholt

Was mich beim Lesen manchmal stört, ist nicht die Szene selbst.

Sondern die Wiederholung.

Wenn sich Dynamiken kaum verändern.
Wenn sich Szenen ähneln.
Wenn die Geschichte dazwischen kaum vorankommt.

Dann fühlt es sich oft so an, als würde etwas fehlen.

Eine Entwicklung.
Knisternde Spannung.
Die emotionale Tiefe.

Manchmal fehlt zum Beispiel, dass sich die Dynamik zwischen zwei Figuren wirklich verändert.
Dass ein Gespräch etwas verschiebt.
Oder eine Entscheidung Konsequenzen hat.

Dass nach einer intensiven Szene eigentlich nichts anders ist als zuvor.

Keine neue Spannung entsteht.
Kein innerer Konflikt sichtbar wird.

Es gibt Bücher, bei denen man nach einer Weile das Gefühl bekommt, dass man dieselbe Szene nur in leicht veränderter Form noch einmal liest.

Und dann frage ich mich oft, wo die eigentliche Geschichte geblieben ist.

Wo ist die Entwicklung zwischen den Figuren.
Wo ist das, was sie miteinander erleben.
Wo ist das, was mich emotional an sie bindet.

Verschenktes Potenzial

Ich glaube, dass manche Bücher ihr eigenes Potenzial verschenken.

Nicht, weil sie Spice enthalten.
Sondern weil sie sich zu sehr darauf konzentrieren.

Oft hat man das Gefühl, dass die Geschichte selbst viel mehr tragen könnte.

Mehr Entwicklung.
Mehr Spannung.
Und vor allem mehr emotionale Tiefe.

Gerade dann wird es schade.

Denn manchmal spürt man, dass die Grundidee stark ist.
Dass die Figuren etwas Interessantes haben.
Dass der Konflikt eigentlich fesseln könnte.

Und trotzdem bleibt am Ende vor allem eines hängen.

Die Menge an Spice.

Für mich ist das oft ein Zeichen dafür, dass der Fokus verrutscht ist.

Alte und neue Liebesgeschichten

Wenn ich an starke Liebesgeschichten denke, fällt mir sofort Stolz und Vorurteil von Jane Austen ein.

Eine der bekanntesten Liebesgeschichten überhaupt und bis heute wirksam.

Es dort nicht einmal eine klassische Szene, wie man sie heute erwarten würde.

Und trotzdem funktioniert diese Geschichte.

Mehr als gut sogar.

Weil sie auf etwas anderem aufbaut.

Spannung.
Zwischenmenschliche Dynamik.
Unausgesprochene Gefühle.

Die Anziehung entsteht dort nicht durch ständige körperliche Nähe.
Sondern durch das, was zwischen den Figuren passiert.

Durch Blicke.
Stolz.
Auch Missverständnisse.
Oder Reibung.

Dort entsteht Spannung oft über viele Seiten hinweg.
Ein Blick kann mehr bedeuten als eine ganze Szene.

Und genau dadurch baut sich etwas auf, das lange trägt.

Weniger kann mehr sein

Was mir beim Lesen oft stärker im Gedächtnis bleibt, sind nicht die großen Szenen.

Sondern die kleinen Momente.

Ein Blick. Auch die Verbotenen.
Eine flüchtige Berührung.
Ein Satz, der mehr sagt, als er eigentlich ausspricht.

Manchmal entsteht genau dort mehr Gefühl als in vielen ausführlichen Szenen.

Vielleicht, weil dort Raum bleibt.
Für Spannung.
Fantasie.
Für das, was zwischen zwei Figuren noch nicht ganz ausgesprochen ist.

Und vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, wie viel gezeigt wird.
Sondern darum, was sich zwischen zwei Figuren wirklich verändert.

Ich finde, genau dort liegt oft die eigentliche Kraft.

Nicht in der Lautstärke.
Sondern in dem, was langsam entsteht.

Wie ich damit umgehen möchte

Als Autorin hat mich das zum Nachdenken gebracht.

Nicht darüber, ob man solche Szenen schreiben sollte.
Sondern darüber, was eine Geschichte wirklich trägt.

Was bleibt.
Was wirkt.
Und was ich selbst lesen möchte.

Für mich liegt der Fokus auf der Entwicklung der Figuren.
Und den Dynamik zwischen ihnen.
Auf dem, was sich langsam aufbaut.

Ich möchte beim Schreiben nicht nur zeigen, dass zwei Figuren sich körperlich nahekommen.

Ich möchte zeigen, warum.

Was es für sie bedeutet.
Was sie dabei vielleicht riskieren.
Oder was sie auch einander anvertrauen.

Intimität ist mehr als eine Szene

Ich finde, Intimität ist etwas sehr Feinfühliges.

Etwas, das nicht nur durch Handlung entsteht.

Sondern durch Vertrauen.

Durch Nähe.
Durch das gegenseitige Verstehen.
Durch die Bereitschaft, sich wirklich sehen zu lassen.

Denn oft beginnt Intimität lange vor dem eigentlichen Moment.

In Gesprächen.
In Blicken.
In vorsichtigen Annäherungen.

In dem Gefühl, dass zwei Menschen einander wirklich begegnen.

Zum Mitnehmen

Spice ist nicht falsch.

Aber eine Geschichte sollte sich nicht nur darauf konzentrieren.

Am Ende bleibt das, was man fühlt.

Die Entwicklung.
Die Verbindung zwischen Figuren.
Die leisen Momente.

Und vielleicht ist genau das die Frage, die man sich als Leser und auch als Autor stellen kann:

Was will ich in Geschichten wirklich finden.

Nur Reiz.
Oder auch Tiefe.

Nur Intensität.
Oder auch Entwicklung.

Für mich ist die Antwort klar.

Und manchmal reicht genau das aus, um eine Geschichte unvergesslich zu machen.

Zwischen fertigen Texten und den leisen Momenten dazwischen entsteht ein Raum für Gedanken, Einblicke und neue Geschichten.

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