Inspiration für Geschichten finden # Erinnerungen als Inspiration

Teil 9: Erinnerungen als Inspiration

Willkommen zum neunten Teil meiner Reihe

Inspiration für Geschichten finden.

Versunken in Erinnerungen

Jeder Mensch hat Erinnerungen.

Manche davon sind glücklich. Andere würden wir vielleicht lieber vergessen.

Manche bringen uns zum Lachen, andere machen uns traurig. Es gibt Erinnerungen, die uns Mut machen, und solche, die uns noch Jahre später noch verfolgen.

Und manchmal reicht ein einziges kleines Detail, um uns mitten hinein in einen längst vergangenen Moment zu versetzen.

Aber genau darin kann der Funke für eine neue Geschichte liegen.

Eine Erinnerung, die geblieben ist

Eine meiner Erinnerungen führt mich zurück in meine Kindheit.

Ich war noch klein und neugierig und fragte meine Großmutter mütterlicherseits eines Tages, wohin die Treppe nach unten führte und was sich dort befand.

Ihre Antwort:

Unten im Keller wohne der Krawuckel. Und wenn ich hinunterginge, würde er mich nie wieder herauslassen.

Für meine Großmutter war dieser Satz vermutlich einfach so dahergesagt.

Für mich allerdings nicht.

Ich hatte sofort Angst.

Wenn wir meine Großmutter besuchten, versuchte ich von da an, möglichst schnell an der Kellertreppe vorbeizukommen.

Ich wollte auf keinen Fall, dass der Krawuckel nach oben kam, mich erwischte und ich für immer bei ihm im Keller leben musste.

Heute weiß ich natürlich, dass dort unten kein Krawuckel auf mich gewartet hat.

Trotzdem ist diese Erinnerung geblieben.

Und bis heute gibt es einen Teil von mir, der eine Kellertreppe nicht einfach nur als Kellertreppe betrachtet.

Aber was hat das mit Geschichten zu tun?

Viel mehr, als du vielleicht denkst.

Denn eine Erinnerung muss nicht nur etwas sein, das in unserer Vergangenheit liegt.

Sie kann auch ein kleiner Funke für etwas völlig Neues sein.

Nehmen wir meinen Krawuckel.

Die Erinnerung selbst ist noch keine Geschichte. Aber ich könnte anfangen, mit ihr zu spielen.

Was wäre, wenn tatsächlich etwas unter diesem Haus leben würde?

Was wäre, wenn der Krawuckel gar kein Monster wäre?

Was wäre, wenn nur Kinder ihn sehen könnten?

Was wäre, wenn er niemanden gefangen hält, sondern dort unten etwas beschützt?

Und was wäre, wenn die Großmutter viel mehr über ihn weiß, als sie ihrem Enkel erzählt hat?

Plötzlich ist da mehr als eine alte Kindheitserinnerung.

Da ist der Anfang einer möglichen Geschichte.

Die Erinnerung ist erst der Anfang

Erinnerungen sind machmal nur in Fragmenten vorhadnne.

Aber Oft reicht ein winziger Teil davon.

Vielleicht ist es ein Ort.

Ein Geruch.

Ein Gegenstand.

Ein Satz, den jemand einmal zu dir gesagt hat.

Oder einfach das Gefühl, das du damals hattest.

Diesen kleinen Fragmente kannst du aus seiner ursprünglichen Erinnerung herauslösen und etwas vollkommen Neues daraus entstehen lassen.

Aus dem Keller deiner Kindheit wird vielleicht ein unterirdisches Reich.

Aus einem alten Ferienhaus ein Ort, der auf keiner Karte existiert.

Aus einem Kinderlied ein Hinweis auf ein längst vergessenes Ereignis.

Die Erinnerung liefert dir den Funken.

Was daraus entsteht, gehört deiner Fantasie.

Warum Kindheitserinnerungen besonders spannend sein können

Als Kinder sehen wir die Welt noch ganz anders.

Wir verstehen vieles noch nicht und unsere Fantasie mischt kräftig mit.

Dinge, die für einen Erwachsenen vollkommen harmlos erscheinen, können für ein Kind plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Ein dunkler Raum wird zu einem gefährlichen Ort.

Ein Geräusch hinter einer Tür gehört plötzlich zu etwas Unheimlichem.

Der Schatten eines Baumes verwandelt sich in eine Gestalt.

Und der Krawuckel im Keller ist selbstverständlich echt.

Gerade darin steckt für Geschichten unglaublich viel Potenzial.

Denn als Autor können wir Jahre später zurückkehren und eine interessante Frage stellen:

Was wäre, wenn ich damals recht gehabt hätte?

Was wäre, wenn das Monster unter dem Bett tatsächlich existiert hätte?

Was wäre, wenn die Stimme aus dem Wald wirklich zu jemandem gehört hätte?

Was wäre, wenn der geheimnisvolle Ort aus deiner Kindheit nicht nur in deiner Fantasie existiert hätte?

Für den Erwachsenen war es vielleicht nur kindliche Fantasie.

Für den Autor kann genau dort eine neue Geschichte beginnen.

Nicht jede Erinnerung ist schön

Natürlich tragen wir nicht nur schöne oder fantastische Erinnerungen mit uns herum.

Manche sind traurig oder mehr als Unangenehm.

Vielleicht erinnern wir uns an einen Abschied, einen Streit, eine Angst oder einen Moment, in dem wir uns vollkommen verloren gefühlt haben.

Auch darin kann Inspiration liegen.

Dabei musst du das Erlebnis selbst überhaupt nicht verwenden.

Manchmal ist es nur das Gefühl, das interessant ist.

Wie hat sich die Angst damals angefühlt?

Was hat einen Abschied so schmerzhaft gemacht?

Warum ist ein bestimmter Ort noch Jahre später mit einem Gefühl von Heimweh verbunden?

Ein solches Gefühl kann irgendwann einer vollkommen anderen Figur gehören, die in einer vollkommen anderen Welt lebt und etwas völlig anderes erlebt.

Die Erinnerung verschwindet dabei vielleicht vollständig.

Was bleibt, ist nur der Funke, den sie hinterlassen hat.

Geh in deinen Erinnerungen auf Spurensuche

Vielleicht möchtest du selbst einmal ausprobieren, welche kleinen Storyfunken sich in deinen Erinnerungen verstecken.

Dabei musst du nicht nach dem spektakulärsten Erlebnis deines Lebens suchen.

Manchmal sind gerade die unscheinbaren Erinnerungen interessant.

Denk an etwas, das dir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Was ist davon noch da?

Ein bestimmter Ort?

Ein Satz?

Ein Geruch?

Eine Person?

Ein Gegenstand?

Oder nur ein Gefühl?

Frag dich anschließend nicht, wie du diese Erinnerung möglichst genau in eine Geschichte übertragen könntest.

Löse stattdessen ein einziges Detail heraus.

Und überlasse den Rest deiner Fantasie.

Der Keller muss nicht mehr der Keller deiner Großmutter sein.

Vielleicht gehört er zu einem verlassenen Haus.

Vielleicht führt die Treppe viel weiter hinunter, als sie eigentlich dürfte.

Vielleicht weiß niemand, was sich hinter der letzten Tür befindet.

Vielleicht wartet dort unten auch kein Krawuckel.

Sondern etwas, das du erst noch kennenlernen musst.

Zum Mitnehmen

Erinnerungen sind ein Teil von uns.

Manche begleiten uns ein Leben lang und tauchen durch einen Geruch, einen Ort oder einen einzigen Satz plötzlich wieder auf.

Für einen Autor können genau diese kleinen Fragmente zu einem neuen Funken werden.

Du musst deine Vergangenheit nicht nacherzählen.

Vielleicht genügt ein Gefühl.

Ein Ort.

Eine Szene.

Oder ein einziger Satz.

Löse ihn aus seiner Erinnerung und überlasse den Rest deiner Fantasie.

Denn manchmal steckt in einer alten Erinnerung nicht nur etwas, das hinter uns liegt.

Sondern der Anfang einer Geschichte, die noch vor uns liegt.

Welche Geschichten schlummern noch in deinen Erinnerungen?

Manchmal genügt ein alter Satz, ein vertrauter Geruch oder ein längst vergessener Ort, damit plötzlich ein neuer Funke entsteht.

In meinem Newsletter teile ich weitere Gedanken rund ums Schreiben, kleine kreative Impulse, Einblicke in meine eigene Arbeit als Autorin und Dinge, die ihren Weg nicht immer auf den Blog finden.

Wenn du Lust hast, gemeinsam mit mir noch ein wenig tiefer in die Welt der Geschichten einzutauchen, freue ich mich, wenn du mich dort begleitest.

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