Der eigene Schauspieler am Schreibtisch – Warum Autoren komische Dinge tun

Warum ich beim Schreiben manchmal zur Schauspielerin werde

Schreibst du auch manchmal eine Szene und merkst plötzlich, dass dein Gesicht Dinge macht, die du gar nicht geplant hast?

Vielleicht ziehst du unbewusst die Augenbrauen zusammen.
Vielleicht Machst du eine komische Grimasse
Oder du verziehst das Gesicht, während du versuchst, eine Emotion zu verstehen.

Mir passiert das regelmäßig. Und jedes Mal bin ich ein wenig erleichtert, wenn ich feststelle, dass mich niemand beobachten. Das sähe wahrscheinlich ziemlich seltsam aus.

Denn manchmal werde ich beim Schreiben zu meiner eigenen Schauspielerin.

Wenn Schreiben mehr wird als nur Tippen

Beim Schreiben tauche ich oft tief in eine Szene ein. Manchmal komme ich an einen Punkt, an dem ich kurz innehalte.

Ein Gefühl das noch nicht ganz passt.
Oder eine Reaktion wirkt nicht ganz überzeugend.
Ein Dialog klingt zu flach.

In solchen Momenten starre ich nicht einfach weiter auf den Bildschirm.

Stattdessen versuche ich, die Szene wirklich zu fühlen. Ich versetze mich bewusst an die Stelle meiner Figur, um besser zu verstehen, was gerade in ihr vorgeht.

Der Moment, in dem ich zur Schauspielerin werde

Dann passiert etwas, das von außen vermutlich ziemlich merkwürdig aussieht.

Ich versuche, das Gefühl meiner Figur nachzuempfinden.
Mein Gesicht verändert sich.
Meine Gestik ebenfalls.

Manchmal spreche ich einen Dialog leise vor mich hin, nur um zu hören, wie er klingt. Oder ich probiere verschiedene Tonlagen aus, um herauszufinden, welche zu meiner Figur passen könnte.

Kurz gesagt: Ich spiele die Szene.

Und jedes Mal hoffe ich ein wenig, dass mich in diesem Moment niemand beobachtet.

Warum mir das beim Schreiben hilft

Nur auf den Bildschirm zu schauen und einfach weiterzuschreiben funktioniert nicht immer.

Emotionen lassen sich schwer beschreiben, wenn man sie selbst nicht zumindest ein wenig spürt. Wenn ich versuche, eine Mimik oder eine Haltung nachzuahmen, verstehe ich oft besser, was meine Figur gerade erlebt.

Plötzlich wird eine Szene klarer.

Ein Satz verändert sich.
Die Reaktion wird glaubwürdiger.
Oder eine Emotion bekommt mehr Tiefe.

Manchmal reicht ein kurzer Moment, in dem ich mich wirklich in diese Figur hineinversetze, und die Szene findet ihren richtigen Ton.

Bin ich damit allein?

Ganz sicher weiß ich es nicht. Aber hin und wieder habe ich gelesen oder gehört, dass manche Autoren beim Schreiben etwas Ähnliches erleben.

Einige sprechen Dialoge laut oder leise vor sich hin.
Andere gehen beim Nachdenken im Raum auf und ab.
Manche verändern ihre Mimik oder nehmen unbewusst die Haltung ihrer Figur ein.

Der Gedanke gefällt mir, dass Schreiben manchmal mehr mit Verkörperung zu tun hat, als man zunächst denkt.

Schreiben ist nicht nur Kopfsache

Von außen wirkt Schreiben oft wie eine rein geistige Tätigkeit.

Man sitzt am Schreibtisch.
Man tippt.
Und am Ende entsteht ein Text.

Aber in Wirklichkeit passiert beim Schreiben viel mehr.

Vorstellungskraft, Sprache, Gefühle und manchmal auch der eigene Körper arbeiten zusammen. All diese Dinge fließen in eine Szene ein.

Gerade Emotionen lassen sich schwer beschreiben, wenn man sie selbst nicht wenigstens ein Stück weit nachvollzieht. Denn das, was man beim Schreiben empfindet, soll später auch beim Leser ankommen.

Manchmal entsteht eine Szene deshalb nicht durch Analyse, sondern durch ein Gefühl, das plötzlich auftaucht.

Und manchmal hilft es tatsächlich, dieses Gefühl kurz selbst zu spielen.

Zum Mitnehmen

Sich eine Szene vorzustellen und sich für einen Moment in sie hineinzuversetzen kann helfen, die Emotion einer Figur besser zu verstehen.

Selbst dann, wenn man dabei kurz ein wenig seltsam aussieht.

Vielleicht gehört dieser kleine innere Schauspieler einfach zum Schreiben dazu.

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Manchmal geht es um Zweifel, manchmal um kleine Entdeckungen beim Schreiben und manchmal einfach um die stille Freude an Geschichten.

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