Schreiben im Flow statt unter Druck

Flow statt Schreibdruck – warum ich meinem kreativen Rhythmus folge

Ein Ratschlag taucht im Zusammenhang mit Schreiben immer wieder auf:
Setz dich jeden Tag an dein Manuskript und schreibe.

Dieser Tipp wird so oft wiederholt, dass er fast wie ein Gesetz wirkt. Als wäre Disziplin der einzige Weg, ein Buch zu beenden.

Ganz ehrlich: Wenn ich diesen Ratschlag strikt befolgen würde, würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden. Und irgendwann auch die Freude am Schreiben verlieren.

Natürlich verstehe ich, woher dieser Rat kommt. Schreiben braucht Ausdauer. Ein Buch entsteht nicht von allein. Aber ich habe im Laufe der Zeit gelernt, dass meine Kreativität anders funktioniert.

Mein Hauptprojekt und der verlorene Flow

Im Moment arbeite ich an meinem Debüt. Die Zielgerade ist bereits in Sicht. Es fehlen nur noch wenige Kapitel, die überarbeitet werden müssen.

Und trotzdem ist der Flow gerade verschwunden.

Früher hätte ich mich wahrscheinlich trotzdem jeden Tag an den Schreibtisch gezwungen. Ich hätte versucht, die letzten Kapitel einfach mit Disziplin zu Ende zu bringen.

Aber ich habe gemerkt: Das funktioniert für mich nicht.

Wenn ich mich mit Gewalt durch ein Kapitel zwinge, entsteht zwar Text. Aber er fühlt sich falsch an. Die Szenen wirken steif, die Figuren verlieren ihre Stimme und am Ende wird die Geschichte nicht mehr das, was sie eigentlich sein könnte.

Meine Arbeitsweise: Wellen statt Geradeaus

Meine Kreativität arbeitet nicht linear. Sie bewegt sich eher in Wellen.

Manchmal trägt mich eine Idee über Wochen hinweg. Dann schreibe ich fast täglich daran, entwickle Szenen, baue Welten weiter aus und verliere mich komplett in einer Geschichte.

Und irgendwann ebbt diese Welle wieder ab.

Früher habe ich das als Problem gesehen. Ich dachte, ich müsste mich zwingen, weiter an genau diesem Projekt zu arbeiten.

Heute sehe ich das anders.

Wenn eine Welle nachlässt, beginnt meistens schon die nächste. Vielleicht bei einem anderen Projekt, einer neuen Idee oder einer Welt, die ich weiterentwickeln möchte.

Stillstand bedeutet nicht Untätigkeit

Wenn ein Projekt gerade pausiert, heißt das nicht, dass ich nichts tue.

Im Gegenteil.

Während mein Debüt im Moment etwas ruhiger geworden ist, arbeite ich an anderen Dingen weiter. Ich entwickle neue Welten, denke über Figuren nach, schreibe Szenenfragmente oder plane zukünftige Projekte.

Die Energie verschwindet also nicht. Sie verändert nur ihre Richtung.

Früher hätte ich diese Phasen als mangelnde Disziplin interpretiert. Heute weiß ich, dass sie Teil meines kreativen Prozesses sind.

Wenn ein Projekt pausiert und andere vorwärtsgehen

Im Moment befinde ich mich mit meinem Debüt tatsächlich in einer kleinen Leerlaufphase. Ich sehe das Manuskript vor mir, ich weiß auch, was in den nächsten Szenen passieren soll. Aber die richtigen Worte wollen gerade einfach nicht kommen.

Früher hätte mich so etwas wahnsinnig gemacht. Ich hätte versucht, mich trotzdem durch die Kapitel zu kämpfen, nur um weiterzukommen.

Heute gehe ich anders damit um.

Denn während mein Debüt gerade etwas ruhiger geworden ist, laufen andere Dinge erstaunlich gut. In dieser Phase habe ich mich einfach vom Flow treiben lassen und an den Projekten gearbeitet, die gerade Energie hatten.

In dieser Zeit habe ich zum Beispiel das Manuskript eines Kinderbuches fertiggestellt und es mittlerweile an über zwanzig Verlage geschickt. Drückt mir die Daumen.

Außerdem habe ich Konzepte für acht weitere Kinderbuchideen ausgearbeitet, diese Webseite aufgebaut und begonnen, sie mit Inhalten zu füllen. Ich habe ein Geschäftskonto eröffnet und bin gerade dabei, eine passende Steuerberatung zu finden.

Wenn ich mir das so anschaue, merke ich: Auch wenn mein Debüt gerade eine Pause macht, bin ich alles andere als stehen geblieben.

Natürlich hätte ich mich zwingen können, das Buch unbedingt fertigzustellen. Vielleicht hätte ich es sogar geschafft. Aber wahrscheinlich hätte mich dieser Kampf viel Energie gekostet.

Wenn ich stattdessen dem Flow folge, passiert oft etwas anderes. Ein Projekt pausiert kurz, während andere plötzlich große Fortschritte machen. Und am Ende gleicht sich das Ganze meist wieder aus.

Warum Zwang selten gute Geschichten hervorbringt

Sich mit Gewalt durch ein Projekt zu boxen kostet unglaublich viel Energie.

Man sitzt stundenlang vor dem Bildschirm, ringt um jeden Satz und hat am Ende trotzdem das Gefühl, nicht wirklich vorangekommen zu sein.

Ganz anders ist es, wenn man gerade für eine Idee brennt.

Dann entstehen Szenen fast von allein. Figuren entwickeln sich, Dialoge fließen und plötzlich sind mehrere Seiten geschrieben, ohne dass man überhaupt auf die Uhr geschaut hat.

Für mich ist genau das der Moment, in dem Schreiben wirklich lebendig wird.

Warteschleifen gehören dazu

Ja, ich habe einige Projekte, die im Moment in einer Warteschleife hängen.

Aber das bedeutet nicht, dass ich sie aufgegeben habe.

Manche Geschichten brauchen einfach Zeit. Sie entwickeln sich im Hintergrund weiter, während andere Projekte gerade im Vordergrund stehen.

Und irgendwann kommt der Moment, in dem eine dieser Ideen plötzlich wieder zurückkehrt.

Dann beginnt die nächste Welle.

Warum Selfpublishing für mich besser passt

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich meine YA-Projekte lieber im Selfpublishing veröffentlichen möchte.

Wenn ich mir vorstelle, ein Verlag würde mir im Nacken sitzen und auf ein bestimmtes Manuskript warten, würde das meine Arbeitsweise stark verändern.

Natürlich kann Druck auch produktiv machen. Aber auf Dauer laugt er aus.

Und Schreiben sollte für mich mehr sein als nur das Erfüllen eines Abgabetermins.

Zum Mitnehmen

Jeder Autor arbeitet anders.

Manche schreiben jeden Tag zur gleichen Uhrzeit und kommen damit hervorragend voran. Andere brauchen klare Strukturen und feste Routinen.

Ich habe gelernt, dass meine Kreativität eher in Wellen arbeitet.

Wenn ich versuche, dagegen anzukämpfen, verliere ich Energie. Wenn ich diesen Wellen folge, entsteht oft viel mehr.

Manchmal bedeutet das, ein Projekt für eine Weile ruhen zu lassen.

Aber das heißt nicht, dass ich stehen geblieben bin.

Es bedeutet nur, dass gerade eine andere Welle trägt. Und irgendwann kehrt auch die nächste Welle zurück zu der Geschichte, die noch darauf wartet, zu Ende erzählt zu werden.

Wenn dich Gedanken rund ums Schreiben, kreative Prozesse und der Aufbau einer Autorenkarriere interessieren, begleite mich gern auch im Newsletter.

Dort teile ich Einblicke, Erfahrungen und Gedanken, die nicht immer ihren Weg auf den Blog finden. Ohne festen Rhythmus und ohne Druck. Einfach dann, wenn es etwas zu erzählen gibt.

Vielleicht passt das genau zu dir.

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